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Sind Gitterroste als Leitsystem für sehbehinderte Personen anwendbar? (Aug. 2011)

Sehr geehrter Herr Mühr,

im industriellen Bereich findet man z. B. auf Laufstegen, Treppen und Podesten als Bodenbelag Gitterroste. Auch im kommerziellen Bereich sind Gitterroste z. B. im Bereich von Fluchtwegen (z. B. Fluchttreppen) verlegt. Vermehrt findet man Gitterroste auch im öffentlichen / privaten Bereich. Gibt es hierzu Erfahrungen ihrerseits in wie weit ein Gitterrost als Bodenbelag oder als Treppe für Menschen mit einer Behinderung eine Barriere darstellt oder vielleicht sogar hilfreich ist (ich denke z. B. an sehbehinderte Personen, die durch die Struktur des Gitterrostes besser geleitet werden können)?

Ich freue mich auf Ihre Antwort,

mit freundlichen Grüßen
Olaf Heptner

Antwort Wendelin Mühr:

Gitterroste sind als Bodenindikatoren für blinde und sehbehinderte Personen nur bedingt geeignet, weil deren Profile keine tastbare Leitfunktion mit dem Blindenlangstock zulassen. Das heißt, die Informationen müssen podotaktil und haptisch erkannt werden, um sie entsprechend interpretieren zu können. In der E DIN 32984 (2010-02) sind dafür linierte Rippen- und punktuelle Noppenstrukturen vorgesehen, die im Zusammenspiel eine Leit-, Orientierungs- und Warnfunktion ermöglichen. Bei den Gitterrosten ist diese Verknüpfung (auch unter der Anwendung von Lamellenrosten) nicht möglich.

Verlegte Gitterroste können aber hilfreich sein zur Erkennung einer hörbaren Raumkante z.B. bei Regenwasserabflüssen oder durch die besondere Klangqualität eines bestimmten Bereiches, wie z.B. an einer Grundstückzufahrt. Sie lassen sich folglich in bestimmten Situationen als Element eines Leitsystems einbinden, wenn sie sich taktil und visuell eindeutig von der Umgebung unterscheiden. Im Einzelfall werden Gitterroste an Treppen als Aufmerksamkeitsfeld angelegt, wo das Oberflächenwasser zu den Treppen hin fließt und innerhalb des Rostes abgeleitet wird. Zu beachten ist, dass die Metalloberfläche eine rutschfeste Griffigkeit besitzen muss.

Treppen mit Gitterrosten an öffentlichen Gebäuden sind oft für den Notausgang bestimmt. Sie müssen bei Barrierefreiheit neben der normgerechten Treppengeometrie den Sicherheitsanforderungen von Blinden und Sehbehinderten erfüllen, z.B. kontrastierende Stufenmarkierungen, seitliche Tastleiste für den Langstock, die bisher an bekannten Anlagen fehlen.

Feedback aus Canada (Juli 2010)

This website is an excellent show case for access design standards within the public realm. Today people with disabilities are in the mainstream of society, where opportunities are the same for everyone and are enriched by the diversity of its active and contributing members. It is important that people of all abilities be positively supported by their surroundings. A well-designed environment is one that is safe, convenient, comfortable, age-friendly and readily accessible for everyone.

Design solutions that also respond to the climate variations in a winter city like Calgary increase and enhance the accessibility to the outdoors throughout the year.

The Urban Design Group of the City of Calgary discovered your website during our research for worldwide best-practice examples.

The City of Calgary wishes to set an example by creating a more livable and accessible city. Mr. Muehr gave us his permission to incorporate one of his wheelchair access images into one of our current design guidelines. We are very grateful and congratulate him for his excellent work.

LOTHAR WIWJORRA TOWN®IONAL PLANNER, Dipl.Ing.
Senior Urban Designer
Land Use Planning & Policy
The City of Calgary
Calgary, AB Canada T2P 2M5
www.calgary.ca

1. Noppenplatten vor dem Hochbord mit Rippenplatten unterbrochen (Dez. 2009)

Hallo Herr Mühr,

ich habe eine Frage zum Bild 4 bei Im Fokus - Aus der Praxis:
Im Aufmerksamkeitsfeld werden die Noppenplatten vor dem Hochbord mit Rippenplatten unterbrochen.
Ist das eine gängige Lösung, die hier zu sehen ist?

Rudolf Müller, Hamburg

Antwort Wendelin Mühr:

Bei diesem Bild 4 "Im Fokus - Aus der Praxis" geht es um den Standort des Ampelmastes, nicht um die Verlegung der Bodenindikatoren. Die Verlegung Noppenplatte-Rippenplatte-Noppenplatte als dreigeteilter Streifen im Auffindestreifen wird vorwiegend von den Hessischen Straßenbauämtern bevorzugt

Bei der Firma Klostermann wurde auch ein Einbaubeispiel mit einer Lichtsignalanlage vorgestellt, wo der Ampelmast direkt in den Rippenplatten steht. Diese Mischung von Noppenplatten mit Rippenplatten über den gesamten Gehweg wird vom Fachausschuss des GFUV als kritisch bewertet, weil die Möglichkeit eines Überlaufens des Auffindestreifens besteht, so dass der ganze Streifen nicht wahrgenommen wird.

In diesem Fall ist diese Variante akzeptabel weil ein vorgelegter Leitstreifen die Laufrichtung anzeigt.
Er kann auch als Richtungsstreifen genutzt werden. Diese Bauweise wäre aber ein Sonderfall.

Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV) besteht auf die Lösung wie sie hier im Bild 1 zu sehen ist. "Leitstreifen (Rippenplatten) – Aufmerksamkeitsfeld (Noppenplatten) – Richtungsfeld (Rippenplatten)".

Barrierefreie Mobilität steht für eindeutig, erkennbare Bodenindikatoren, die in ihrer Funktion unverwechselbar sind (siehe Handbuch, Kapitel Gestaltungsgrundsätze von Querungsanlagen). Hier im Bild unser Vorschlag: Leitstreifen (Lenken oder Leiten) - Aufmerksamkeitsfeld (Achtung!) - Richtungsfeld (Ausrichten, Orientieren).

2. Barrierefreie Querung an Straßenbahngleisen (Juli 2009)

Guten Tag Herr Mühr,

auf Ihrer Webseite sind sehr interessante Vorlagen von Straßenquerungsstellen und Bushaltestellen zu sehen. Leider vermisse ich Beispiele für Lösungen bei der Überquerung von Straßenbahngleisen.
Können Sie hierzu auch einige Vorschläge anbieten?

Dipl.-Ing. Ingrid Bart, Halle

Antwort Wendelin Mühr:

Diese Problematik wurde bisher noch nicht untersucht, nur soweit, dass die Überquerung von Straßenbahngleisen vorwiegend an gesicherten Querungsstellen erfolgen soll (Ampelanlage oder Fußgängerüberweg). Die Straßenbahnen fahren sehr schnell und relativ leise, sie stellen damit für die Blinden und Sehbehinderten eine große Gefährdung dar.
Die bauliche Gestaltung kann anhand der dargestellten Beispiele aus den LEITdetails der gesicherten Querungsstelle angepasst werden (z. B.: 6 cm Bordkante für die Blinden und Sehbehinderten; Rampe mit Nullabsenkung für die Rollstuhlfahrer).
Zu beachten ist, dass aber die Randeinfassung (Borde) sich optisch kontrastierend gegenüber den Materialien der Straßenbahnkörper absetzen. Spezielle LEITdetails können wir Ihnen hierzu zur Zeit nicht anbieten.

3. Querungsstelle Kreuzung mit LSA und Radweg (Jan. 2009)

Guten Tag Herr Mühr,

sie zeigen interessante Beispiele. Trotzdem einen Anwendungsfall vermisse ich: LSA-Kreuzung mit getrennten Geh- und Radwegen. Haben Sie dazu auch Beispiele z. B. in der Broschüre?

Freundliche Grüße aus Mecklenburg-Vorpommern
R. Hörnke

Antwort Wendelin Mühr:

Beispiel eines Knotenpunktes mit Lichtsignalanlage mit abgesenktem Radweg vor einer kreuzenden Fußgängerfurt auf Fahrbahnniveau wurde in der 2. Auflage der Broschüre "Barrierefreie Mobilität im öffentlichen Verkehrsraum ..." unter LEITdetail 11.5 aufgezeigt. Auch bei Querungsstellen mit Fußgängerüberwegen stehen Beispiele mit getrenntem Rad- und Gehweg im Downloadbereich bereit. Im Handbuch 1. Auflage 2010 sind weitere Beispiele aufgezeichnet.

4. Behindertengerechte Querungshilfe an einer Einmündung (Mai 2008)

Guten Tag Herr Mühr,

Als Architekt befasse ich mich nicht nur mit barrierefreiem Planen von Wohnungen und Gebäuden, sondern auch mit dem dazugehörigen hindernisfreien Umfeld für die Menschen. Auch die Anschlüsse im Freiraum und deren Querungshilfen werden mit konzipiert.

Bei meiner Dienstreise nach Offenbach hatte ich auf der Rückfahrt noch etwas Zeit bei der Abreise. Ich studierte vor dem Bahnhofsgebäude das Verkehrsverhalten der Fußgänger an der dortigen Kreuzung, weil ich hier Straßenquerungsstellen für Behinderte vorfand. Das Verhalten vieler Fußgänger war m. E. alles andere als verkehrsgerecht.

Meine Frage:
Sind Sie in der Lage eine fachgerechte Orientierung für die Behinderten vorzusehen, so dass tatsächlich eine barrierefreie Kreuzung entsteht?

Mit freundlichem Gruß
Dipl.-Ing. Architekt
Klaus-Dieter Michalka

Antwort Wendelin Mühr:

Ja, wir sind in der Lage. Im Vorab aber folgendes: Es ist auf Ihren Fotos zu erkennen, dass es sich um einen Einbau von Straßenrandelementen und Bodenindikatoren in den Bestand handelt. Ein nachträglicher Umbau ist immer wegen der vielen Zwangspunkte problematisch und mit viel Kompromissen verbunden, dass ist hier sehr gut zu erkennen.

Eine großzügige Analyse über den Bestand und eine ausführliche Beschreibung des Lösungsvorschlages ist wegen des großen Umfanges nicht möglich. Wir werden deshalb nur in Kurzform auf die wichtigsten Kriterien zur barrierefreien Gestaltung der Einmündung hinweisen.
Wir gehen davon aus, dass der Umbau im Jahr 2007 erfolgte.

Kurzanalyse zum Bestand

  • Die Straßenrandeinfassungen an den Fußgängerfurten hatten wahrscheinlich eine 3 cm hohe Bordsteinkante, diese wurden durch "Rollborde" ersetzt, sie verlaufen über den gesamten Kurvenbereich der Kaiserstraße mit einer Ansicht von 0 bis 3 cm.
  • Der Auffindestreifen beträgt nur 60 cm und ist mit 10 cm breiten, dunklen gefasten, Betonpflastersteinen eingefasst, Die Noppenplatten verlaufen mittig auf den Ampelmast zu. Sein Standort befindet sich seitlich an der Fußgängerfurt zur Haltelinie der Fahrbahn.
  • Über die Funktionalität des Signalgebers ist eine Aussage nicht möglich.

Kurzanalyse zum Fußgängerverkehr

  • Fußgänger benutzen zum Teil nicht die Fußgängerfurt, sie gehen geradlinig vom Bahnhofsgebäude zum gegenüberliegenden Gehweg der Kaiserstraße, über die abgeflachten Bordausrundungen.
  • Radfahrer fahren auf dem Gehweg, sie benutzen die Bequemlichkeit des Rollbordes im Bereich der Fußgängerfurt zur Überquerung der Fahrbahn. Eine separate Radfahrerfurt ist nicht vorhanden.

Feststellungen

  • Der Umbau lässt erkennen, dass aus bestimmten Gründen mit wenig bautechnischem Aufwand behindertengerechte Straßenüberquerungen geschaffen werden sollen.
  • Die Einmündung Bismarckstraße/Kaiserstraße ist für die rollennutzenden Personen barrierefrei.
  • Der breit angelegte Rollbord im Kurvenbereich verleidet zum verkehrswidrigen Verhalten der Radfahrer.
  • Für die Blinden und Sehbehinderten sind diese Querungsstellen nicht gebrauchsfähig, weil die Sicherheits- und Orientierungskomponenten nach unserem Verständnis unvollständig ausgebaut wurden bzw. fehlen. Sie genügen in keiner Weise den Anforderungen der Verkehrssicherheit.
Lösungsvorschlag
Die Skizze zum Lösungsvorschlag zeigt, dass diese Einmündung nur durch ausreichenden Umbau eine behindertengerechte Verkehrsanlage möglich ist. Die Komponenten der Verkehrssicherheit und Eindeutigkeit haben hier den Vorrang. Dringend sind u.a. folgende Maßnahmen vorzusehen:

  • Unterbindung der durchgängigen Durchfahrt der Radfahrer vom Gehweg zur Straße durch einen 12 cm hohen Bordstein, wenn erforderlich mit einem Geländer.
  • Kinder die auf dem Gehweg Fahrrad fahren, sollten über eine Verkehrsschulung zum Absteigen bei der Fußgängerfurt bewogen werden.
  • Neuordnung der Fahrbahnmarkierungen für einen mittigen Standort des Ampelmastes in der Fußgängerfurt.
  • Ausstattung der Querungsstelle gemäß LEITdetail 11.1 (Broschüre - Kreuzung oder Einmündung mit Lichtsignalanlage, bzw. Handbuch 1. Auflage 2010, LEITdetail 12) in der Bauweise mit konventionellen Bordsteinen.

Auffällig ist die Vielzahl der Schachtdeckel der Kabelanlagen in den Gehwegen. Sie lassen sich bei der Anordnung des Auffindestreifens nicht umgehen. Als Priorität gilt die Festlegung, dass der Auffindestreifen neben dem Ampelmast angelegt wird, damit der Blinde oder Sehbehinderte unbehindert auf die Noppenplatten gehen und bei der Straßenüberquerung wieder unbehindert seine Querungshilfe betreten kann. Die Schachtdeckel bei Ecke 1 und 2 befinden sich vor der Bordsteinkante am Ampelmast. Da der Auffindestreifen bereits zuvor mit dem Langstock ertastet wird, kann die Lage der Schachtdeckel in diesem Fall hingenommen werden.

Können Auffindestreifen durch die Lage der Schachtdeckel nicht ertastet werden, dann ist die Breite der Blinden-Querungsstelle größer als 90 cm anzulegen. Zum Teil lassen sich auch die Schachtabdeckungen mit Noppenplatten auslegen. Weitere Einzelheiten sind in der Skizze ersichtlich.


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Gitterroste als Leitsystem

Gitterroste als Leitsystem für sehbehinderte Personen

Sind Gitterroste als Leitsystem für sehbehinderte Personen anwendbar?
Klangtest mit dem Blindenlangstock am Aufsatzrost aus Stahl an einer Entwässerungsrinne

Feedback aus Canada

DOWNTOWN UNDERPASS URBAN DESIGN GUIDELINES
Publishing information:
Calgary Planning Commission "DOWNTOWN UNDERPASS URBAN DESIGN GUIDELINES" (DRAFT 2010 July) - für eine Umgestaltung barrierefreies Bauen -

hilfreiches Bildmaterial

Noppenplatten vor Hochbord mit Rippenplatten unterbrochen

Anbindung Platzfläche am Fußgängerübergang

 

 

Barrierefreie Querung an Straßenbahngleisen
Gleisquerung Dresden - Wiener Platz
Diese Lichtsignalanlagen ermöglichen blinde und sehbehinderte Personen das Halten der Straßenbahn beim betätigen der Taster und garantiert akustische und taktile Querungsinformation. Leider fehlen die Bodenindikatoren.

Kreuzung mit LSA und Radweg

Unbrauchbare Querungsstelle für Blinde und Sehbehinderte

Querungshilfe an einer Einmündung

Offenbach - Bestandsaufnahme (Stand 2008)

Kamera 1 - Querungsstelle Kaiserstraße

Kamera 2 - Querungsstelle Bismarckstraße

Kamera 3 - Querungsstelle Bismarckstraße

Kamera 4 - Gehweg am Bahnhofsgebäude

Offenbach - Lösungsvorschlag


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